MM – Leipziger Gewandhaus (25.4.2018)

getimage

Liebt ihr Publikum, ihr Publikum liebt sie: Mireille Mathieu am Mittwochabend
im Leipziger Gewandhaus.

Ikone des Chansons – Mireille Mathieu im Gewandhaus

„Für diese Stimme wurde die Elbphilharmonie gebaut!“, jubelte Hamburg. Schon bei ihrem ersten Erscheinen auf der Bühne im Leipziger Gewandhaus wollen die Hörer Mireille Mathieu ganz nahe sein. Beim Gastspiel am Mittwochabend strömen ihr die Ehrenparaden aus dem Publikum zu. Vom Beginn mit „La Paloma“bis zu einer Kette von Zugaben, mit denen die 71-Jährige diese zwei Stunden krönt, reißen Blumengaben und Präsente nicht ab. Bei manchen Annäherungen müssen sogar Security-leute her, damit Mireille Mathieu mit dem Orchester endlich weitermachen kann.

Es ist eine Herzensangelegenheit. Bei den Verehrern des „Spatzen von Avignon“ist die Hingabe tief, klingt der Applaus andächtig. Denn Mireille Mathieu, die auch Lieder ihrer neuen Doppel-cd „Made in France“vorstellt, jubelt wie vor 40 Jahren von der Liebe, die an einem Sonntag in Avignon auf einmal da und damit die Einsamkeit mit einem Schlag vorbei ist. Da gibt es keine Gewöhnung, keinen Alltag, keine Fragen. Sondern, allerdings in anderen Chansons, nur ein Vorbei oder das inbrünstige Flehen um die Wiederkehr einer Liebe, die gegangen ist.

Mireille Mathieu, die im Finale in einer Hand die französische und in der anderen die deutsche Flagge hält, ist alterslos, selbst wenn einige ihrer Bewegungen nicht mehr ganz so kindlich und resolut sind wie früher. Aus ihren Blicken spricht jetzt auch mehr als unerschütterliche Leuchtkraft. Ein dünner kristalliner Linienzug umfasst die klare Stimme und deren fraulichen Kern. Das konserviert den Glanz nach über 50 Jahren Karriere und den so wunderbaren französischen Akzent bei Mireille Mathieus in den ganz wenigen Sätzen an ihr Publikum.

So wie bei ihr die präzise Grenzmarkierung zwischen Schlager und Chanson nicht zu setzen ist, verschwimmen die Epochen des späteren 20. Jahrhunderts zu ihrer eigenen Welt. In dieser klingt manchmal die Bouzouki und vor allem das pitto- resk-sehnsüchtige Akkordeon. Beneidenswert: Noch in reiferen Jahren singt Mireille Mathieu von einem Michael aus Straßburg, als hätten all jene Dämonen, an denen Edith Piaf schließlich zerbrechen musste, nie auch nur eine Sekunde Macht über sie. Der größte Dämon in ihrer musikalischen Welt ist ein gebrochenes Herz. Auch Mireille Mathieu bekräftigt „Non, je regrette rien“. Doch bei ihr muss man sich fragen, was es zu bedauern gäbe.

Bis zum Schluss vereint sie Emotion und Distinktion beim an ihr Publikum gerichteten „Ich liebe Sie.“Endlich kommt doch noch „Akropolis, adieu“. Bei der Tour 2018 erklingt der Refrain nicht zu strahlend, eher kantig und fast etwas abweisend.

Die Schauplätze von Mireille Mathieus sehnsüchtigen Gesängen liegen überall zwischen Mexico und Moskau, wo sich das Liebesflehen aller Menschenkinder ähnelt. In ihrem Nationenmedley huldigt sie Amerika, Italien und der spanischen Welt. Das Crossover zum Rock ’n‘ Roll hätte sie gar nicht nötig, denn sie ist eine unvergleichliche Ikone. Mireille Mathieu, die keiner einzelnen großen Liebe, sonne dern zu einer großen Familie gehört und in der Liebe von Millionen Anhängern badet, trägt ihre emotionale Stärke nicht nur in die Weite des Gewandhauses, sondern auch gen Hi -mmel. Das am bewegendste Chanson des Abends richtet sie an ihre verstorbene Mutter und macht die Zuschauer zu Zeugen eines zutiefst wahr erfühlten Moments.

Source : Leipziger Volkszeitung – 27 Apr 2018 – von ROLAND H. DIPPEL

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