Mireille Mathieu à Francfort (Frankfurt)

Mireille Mathieu beschenkt das Publikum in Frankfurt mit großen Gefühlen

VON MAXIMILIAN STEINER.
Eine künstlerisch nach wie vor makellos präzise Mireille Mathieu begeistert in der Jahrhunderthalle ihre Fans.

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Foto: Sven-Sebastian Sajak

Frankfurt. 

Ehre, wem Ehre gebührt: Noch bevor Mireille Mathieu die Bühne betritt, steht die Besucherschar in der Jahrhunderthalle von ihren Plätzen auf. Da erklingt gerade das ouvertürenhafte Intro des 14-köpfigen Orchesters, darunter auch vier Streicher, ein dreiköpfiger Chor, ein Akkordeonist sowie ein Querflötist. Auf der Videoleinwand flimmern Impressionen von der unglaublichen Wandelbarkeit der Mireille Mathieu. Ob Diva, Rotzgöre, Charlie-Chaplin-Clownesken oder auch ganz private Eindrück einer Audienz bei Papst Johannes Paul II. – die Mathieu versteht mit diesen Videoclips und Schnappschüssen viele zu überraschen. Ganz sicher jene im Publikum, die von Mathieu nur das Klischee kennen.

Ihre Karriere begann 1965. Sie war erst 19 Jahre alt – älteste Tochter eines Friedhof-Steinmetzes aus Avignon, 13 Geschwister. Manche in Deutschland haben von der französischen Chanson-Ikone nur eine Vorstellung: Roter Lippenstift zu Porzellan-Teint, dichte Augenbrauen unter dunkelbraunem Bob mit leichter Innenwelle sowie stets ein schwarzes Kleid auf Knielänge, so präzise wie die nach wie vor makellose Stimme – ein mittleres Tremolo und ein stark gerolltes R treffen auf punktgenaue Intonation über alle Tonlagen.

Wunderbare Beziehung

Auch in der nicht ganz ausgelasteten Jahrhunderthalle ruft Mireille Mathieu dieses Bild auf, wenn sie mit der Präzision einer atomgetriebenen Uhr den ersten Ton des Einstiegssongs „Il faut croire“ anstimmt. Allzu viele Worte wird die Mathieu nicht an ihr Publikum richten. Doch die wenigen zielen mitten ins Herz: „Wir haben seit Jahren eine wunderbare Liebesbeziehung miteinander“, erwidert sie die warmen Gefühle ihrer treu ergebenen Fangemeinde.

Von da an bestimmt der minutiös abgerufene Melodienreigen den Takt, nur noch selten unterbrochen von Worten der Umschwärmten. Längere Pausen zwischen den Liedern entstehen trotzdem. Verursacht durch opulente Geschenke an den Star. MM bedankt sich für jedes kunstvoll eingewickelte Blumengebinde, jede in einer Tragetasche übergebene Pralinenpackung oder was sonst noch so in den überreichten Päckchen stecken mag mit entwaffnendem Lächeln, raschem Händedruck und gewispertem Dankeschön. Gottlob steht der Grande Dame des französischen Gesangs ein Helfer zur Seite, der sie mitunter von der Last der Geschenke geradezu befreien muss.

In Sachen Musik bewerkstelligt Mireille Mathieu einen schwierigen Spagat. Anders als bei ihren Konzertauftritten in Frankreich, wo ihre zeitlosen Chansons das Repertoire dominieren, mischt sich im deutschsprachigen Raum jene einst von Komponist Christian Bruhn und Texter Georg Buschor ersonnene Kreuzung von schunkeligen Mitklatsch-Effekten und Franzosen-Klischees hinein, die erstmals 1969 für Hit-Ehren hierzulande sorgte.

Seither wissen die Deutschen über den treulosen „Martin“, das ewige „Tarata-Ting Tarata-Tong“ und das, was „Hinter den Kulissen von Paris“ steckt, Bescheid, können „Einen Sonntag in Avignon“ nachvollziehen und beherrschen die zickig-zackigen Schritte des „Pariser Tango“ aus dem Effeff. Eifrig applaudiert das Publikum nach jeder dieser Preziosen.

Kleine Weltreise

Eindeutig längeren Beifall ernten allerdings frühe Chanson-Klassiker wie „Una Canzone“ und das den zweiten Teil eröffnende „Mon Credo“. Gar stürmischer Donnerhall empfängt Mireille Mathieu, wenn sie von ihrem Jugendidol Édit Piaf die zeitlosen Evergreens „L’Hymne à l’amour“ und „Non je ne regrette rien“ interpretiert. Und noch intensiver gestaltet sich der Jubel bei den ganz leise nur zum Klavier gesungenen Balladen oder der kleinen Weltreise von „Etranger Medley“ mit auf Englisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch und Italienisch Gesungenem. Verblüffung herrscht indes beim zünftigen Rock-Boogie „Ce n’est rien“ mit verzerrter E-Gitarre – das Metier beherrscht sie also auch. Tres bien! Noch eine Überraschung, als jemand die deutsche und französische Flagge überreicht und der Mathieu spontan ein „Ganz toll!“ entlockt.

Auf der Zielgeraden wird es dann noch einmal rührselig: „Maman la plus belle du monde“ widmet Mireille Mathieu mit tränenerstickter Stimme ihrer vor zwei Jahren im hohen Alter verstorbenen Mutter. Gleich danach schließt sich eine schwungvoll-fröhliche Mathieu in „Prends le temps“ an.

Danach geht die Sängerin minutenlang den Bühnenrand ab, schüttelt Hände, posiert für Selfies, gibt unzählige Autogramme. Von Handküssen unterfüttert beteuert sie „Ich liebe Sie – Je vous aime“. Bevor sich der Vorhang zum allerletzten Male senkt, gibt es noch einmal ein beschwingtes „Hinter den Kulissen von Paris“.

Source : Frankfurter Neue Presse

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Mireille, mystérieuse. Мирей Матье. Женщина-загадка

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Фильм-концерт о жизни и творческом пути легенды французской эстрады Мирей Матье. Съёмочной группе удалось снять эксклюзивное интервью со звездой, членами её большой семьи и побывать на родине артистки в Авиньоне. Рассказ из « первых уст » проиллюстрирован уникальной фото- и видеохроникой. Певица делится со зрителем историей своего успеха и очень личными воспоминаниями…

Un film russe de 50 minutes sur le parcours de Mireille Mathieu, légende de la scène française. L’équipe de tournage a pu filmer une interview exclusive avec la star. La chanteuse partage avec le public l’histoire de son succès et de ses souvenirs très personnels …

MM – Leipziger Gewandhaus (25.4.2018)

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Liebt ihr Publikum, ihr Publikum liebt sie: Mireille Mathieu am Mittwochabend
im Leipziger Gewandhaus.

Ikone des Chansons – Mireille Mathieu im Gewandhaus

„Für diese Stimme wurde die Elbphilharmonie gebaut!“, jubelte Hamburg. Schon bei ihrem ersten Erscheinen auf der Bühne im Leipziger Gewandhaus wollen die Hörer Mireille Mathieu ganz nahe sein. Beim Gastspiel am Mittwochabend strömen ihr die Ehrenparaden aus dem Publikum zu. Vom Beginn mit „La Paloma“bis zu einer Kette von Zugaben, mit denen die 71-Jährige diese zwei Stunden krönt, reißen Blumengaben und Präsente nicht ab. Bei manchen Annäherungen müssen sogar Security-leute her, damit Mireille Mathieu mit dem Orchester endlich weitermachen kann.

Es ist eine Herzensangelegenheit. Bei den Verehrern des „Spatzen von Avignon“ist die Hingabe tief, klingt der Applaus andächtig. Denn Mireille Mathieu, die auch Lieder ihrer neuen Doppel-cd „Made in France“vorstellt, jubelt wie vor 40 Jahren von der Liebe, die an einem Sonntag in Avignon auf einmal da und damit die Einsamkeit mit einem Schlag vorbei ist. Da gibt es keine Gewöhnung, keinen Alltag, keine Fragen. Sondern, allerdings in anderen Chansons, nur ein Vorbei oder das inbrünstige Flehen um die Wiederkehr einer Liebe, die gegangen ist.

Mireille Mathieu, die im Finale in einer Hand die französische und in der anderen die deutsche Flagge hält, ist alterslos, selbst wenn einige ihrer Bewegungen nicht mehr ganz so kindlich und resolut sind wie früher. Aus ihren Blicken spricht jetzt auch mehr als unerschütterliche Leuchtkraft. Ein dünner kristalliner Linienzug umfasst die klare Stimme und deren fraulichen Kern. Das konserviert den Glanz nach über 50 Jahren Karriere und den so wunderbaren französischen Akzent bei Mireille Mathieus in den ganz wenigen Sätzen an ihr Publikum.

So wie bei ihr die präzise Grenzmarkierung zwischen Schlager und Chanson nicht zu setzen ist, verschwimmen die Epochen des späteren 20. Jahrhunderts zu ihrer eigenen Welt. In dieser klingt manchmal die Bouzouki und vor allem das pitto- resk-sehnsüchtige Akkordeon. Beneidenswert: Noch in reiferen Jahren singt Mireille Mathieu von einem Michael aus Straßburg, als hätten all jene Dämonen, an denen Edith Piaf schließlich zerbrechen musste, nie auch nur eine Sekunde Macht über sie. Der größte Dämon in ihrer musikalischen Welt ist ein gebrochenes Herz. Auch Mireille Mathieu bekräftigt „Non, je regrette rien“. Doch bei ihr muss man sich fragen, was es zu bedauern gäbe.

Bis zum Schluss vereint sie Emotion und Distinktion beim an ihr Publikum gerichteten „Ich liebe Sie.“Endlich kommt doch noch „Akropolis, adieu“. Bei der Tour 2018 erklingt der Refrain nicht zu strahlend, eher kantig und fast etwas abweisend.

Die Schauplätze von Mireille Mathieus sehnsüchtigen Gesängen liegen überall zwischen Mexico und Moskau, wo sich das Liebesflehen aller Menschenkinder ähnelt. In ihrem Nationenmedley huldigt sie Amerika, Italien und der spanischen Welt. Das Crossover zum Rock ’n‘ Roll hätte sie gar nicht nötig, denn sie ist eine unvergleichliche Ikone. Mireille Mathieu, die keiner einzelnen großen Liebe, sonne dern zu einer großen Familie gehört und in der Liebe von Millionen Anhängern badet, trägt ihre emotionale Stärke nicht nur in die Weite des Gewandhauses, sondern auch gen Hi -mmel. Das am bewegendste Chanson des Abends richtet sie an ihre verstorbene Mutter und macht die Zuschauer zu Zeugen eines zutiefst wahr erfühlten Moments.

Source : Leipziger Volkszeitung – 27 Apr 2018 – von ROLAND H. DIPPEL

Mireille Mathieu à Dresden

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Mireille Mathieu verzaubert Dresden

Die Sängerin Mireille Mathieu faszinierte am Donnerstagabend die Zuhörer im Kulturpalast mit ihrem Gesang. Zwölf Termine nimmt die Französin im Rahmen ihrer Welttournee in Deutschland und Österreich wahr.

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Die französische Schlager- und Chanson-Sängerin Mireille Mathieu während ihres Audftrittes im Kulturpalast in Dresden.

Dresden. – Die französische Sängerin Mireille Mathieu faszinierte am Donnerstagabend die Zuhörer im Kulturpalast mit ihrem Gesang. Schon mehr als 50 Jahre steht die Französin auf der Bühne und verkaufte bisher rund 190 Millionen Tonträger. Mit ihrer einprägsamen und kraftvollen, leicht tremolierenden Stimme zählt sie zum nationalen Kulturerbe Frankreichs. Zwölf Termine nimmt Mireille Mathieu im Rahmen ihrer Welttournee in Deutschland und Österreich wahr. Wir haben die Bilder des Abends.

Source : Dresdner Neueste Nachrichten (27. April 2018 10:40 Uhr)
Quelle: Andreas Weihs

MM – Die Unveränderte

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Les articles relatifs à la tournée allemande de Mireille proviennent en grande partie de la presse allemande.  C’est pourquoi vous trouverez un widget « traducteur » dans la colonne droite de ce site.

Hamburg.Lange galt Mireille Mathieu als die Schlagervariante der großen Piaf, Jetzt wird sie bei ihrer Deutschlandtournee in großen Sälen gefeiert – als eine, die sich treu blieb.
(Von Dorothee Krings)

Mit energischen, etwas steifen Schritten tritt sie auf die Bühne, das schwarze Abendkleid kurz mit schillernden Pailletten, die Lippen glänzend rot. Applaus brandet auf. Mireille Mathieu hebt die Arme zur Weltumarmung, legt den Kopf in den Nacken und singt gleich eines dieser Lieder, die vom Glauben handeln, der stärker ist als die Angst – vom Glauben an sich selbst.
Und gleich ist da dieser entschlossene Ton, dieser Nachdruck auf jeder Silbe, dazu ihr gemeißeltes Vibrato. Jeder Takt ist der pure Wille, anzukommen bei den Leuten. Dabei stehen die ja längst, klatschen, winken, feiern ihren « Spatz von Avignon », die zierliche Frau aus Frankreich, die es allen gezeigt hat, die sich treu geblieben ist, die immer noch singt.
Mireille Mathieu (72) ist zurück. Als es im deutschen Fernsehen noch große Abendshows gab mit Moderatoren, die Anzug trugen, keine Turnschuhe, durfte sie nicht fehlen. Da sang sie auf Französisch und auf Deutsch, sagte der Akropolis adieu, La Paloma adé oder versicherte Chérie, wie gut es ihr geht durch die Liebe. Und ihr Akzent war so elegant wie ihre schwarzen Kleider. Und ihre Melodien waren mal wehmütig, mal heiter oder ein wenig verrucht: Mit Mireille konnte man flirten und tanzen, weinen, träumen, Spaß haben – stets mit einem gewissen Schick. Nie unter Niveau.
Doch galt sie immer als die Schlagerausgabe der wahren Chansonette, der singenden Tragödin Edith Piaf. Die Mathieu hat den Vergleich nie gescheut, hat die Lieder ihres Vorbilds gesungen, wieder und wieder die Geschichte ihrer Entdeckung erzählt, wie sie als Älteste von 14 Kindern einer Arbeiterfamilie schon mit 14 in die Konservenfabrik geschickt wurde, am Fließband die Lieder der Piaf sang, schließlich in einer Talentshow ihr Glück versuchte. Und gewann. Sie hatte diesen Glauben an sich, den sie ein Leben lang besingen sollte. Und sie hatte diese markante, warm vibrierende Stimme, die viel größer war als sie selbst.
Doch irgendwann hatte das Publikum keine Sehnsucht mehr nach Moulin-Rouge-Ausgelassenheit und Montmartre-Nostalgie. Es brauchte die Mathieu nicht mehr, um « hinter die Kulissen von Paris » zu schauen, man reiste jetzt selbst mal schnell dorthin zum Shoppen. Und auch die Sängerin war irgendwann erschöpft von all den Konzerten, Reisen, Fernsehauftritten – von der Figur, die sie geworden war.
Manche Sängerkarrieren enden an diesem Punkt, versickern im Treibsand der Zeit. Doch Mireille Mathieu hat sich und ihre Familie aus der Armut gesungen. Sie war die widerspenstige Kleine, die sich auf die Bühne wagte und den Melodien alles verdankt. Und so blieb sie ihnen treu und sang weiter und wird nun zum Ende ihrer Karriere von einer Welle aus Zuneigung, Bewunderung und Respekt getragen.
So singt sie auf einem der ersten Konzerte ihrer Deutschlandtournee in der Hamburger Elbphilharmonie. Und spricht hinterher freimütig darüber, dass dieser Ort ihr Angst eingejagt habe, weil die Elphi doch ein Haus der großen Klassik sei. Aber eigentlich will sie ja dorthin. Gerade arbeitet sie an einem Album mit Werken von Mozart, Schubert, Brahms, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Sie will es jetzt noch einmal wissen, endlich als ernsthafte Künstlerin gesehen werden, nicht mehr als die harmlose Ausgabe der Piaf.
Diese Energie spürt man in ihrem Auftritt. Da ist keine Erschöpfung, keine Nachlässigkeit. Jedes Lied soll groß werden. Und so spannt sie ihre mächtigen Crescendi wie Luftbrücken zum Publikum, lässt ihre Stimme weit ausholen, bis jedes Lied sich in ein kleines Finale tremoliert hat.

Manchmal kämpft sie dann am Ende des Songs, um die Höhe zu halten. Aber das schadet nicht, denn da singt eben keine perfekte Schlagermaschine, sondern eine leidenschaftliche Frau, die immer noch aussieht wie früher, singt wie früher – und damit Recht behalten hat.

So gibt es die treuen Fans, die nun mit ihr über die Zeit und den Wandel der Moden triumphieren. Sie stehen am Bühnenrand mit Rosengebinden, größer als die Sängerin, überreichen ihr Cadeaus mit glänzenden Schleifen, schwenken Frankreichfähnchen. Manche tragen lange Abendkleider mit Stola, andere Jeans mit kariertem Hemd. Jeder darf zur Mathieu-Familie gehören.
Nicole Kögler hat Rosen mitgebracht, eingewickelt in schwarzes Seidenpapier. Sie wird « 9 aus 12 » machen, erzählt sie – neun der zwölf Deutschlandtournee-Konzerte besuchen. Auch wenn Mireille am 4. Mai in der Düsseldorfer Tonhalle auftritt, will die Frau aus Baden-Württemberg dabei sein. « Weil sie diese Ausstrahlung hat », sagt Nicole Kögler, « und weil mich so viel mit ihr verbindet. » Seit 40 Jahren sei sie Fan, seit sie ein kleines Mädchen war und ihre Eltern Lieder der Französin auflegten. « Die großen Erfolge » war ihre Lieblingsplatte. Nicole Kögler ist Mathematiklehrerin, eine akkurate Frau, die an diesem Abend schwarzes Kostüm trägt, dazu die Haare sorgsam aufgesteckt. Sie nimmt dieses Konzert nicht nebenher mit, für sie ist es eine Feier. Etwas, das sie würdigen will. Etwas, bei dem die Form stimmen muss.
Dass sie die Liebe ihrer Fans spüre, wird die Mathieu später erzählen. Zwei Stunden Konzert und viele Zugaben liegen hinter ihr. Sie hat ihrem Publikum die Lieder ihres Lebens vorgesungen, hat gelächelt, hat Blumen in Empfang genommen, Hände ergriffen, mit ihren roten Lippen « Dankeschön » geformt. Und nun hat sie eine Sonnenbrille aufgesetzt, weil sie erschöpft ist und ein bisschen Abstand will zu den Journalisten, die nach ihrer Frisur fragen, nach Lampenfieber, dem Alter und wie sie ihm trotzt. Sie erzählt, wie schon oft, dass sie diszipliniert lebt, jeden Tag ihre Stimme trainiert, Fisch und Joghurt isst, versucht, viel zu schlafen. Ungefragt spricht sie auch von ihrer Mutter, die vor zwei Jahren gestorben ist, und als sie erzählt, dass die Musik ihr beim Trauern hilft, lässt sie die Stimme brechen.
Mireille Mathieu hat nie versucht, eine andere zu sein, als die Leute in ihr sehen wollten. Das hat sie Kraft gekostet, aber nun zahlt es sich aus. Die Leute feiern mit ihr ein Stückchen Unveränderlichkeit, ein wenig Konstanz in ihrem Leben. Und danken es ihr mit der Liebe, die sie so oft besungen hat.

Quelle: RP On Line (27.04.2018)
Article recommandé par Hans-Christian

Mireille Mathieu à Berlin (2018)

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FRIEDRICHSTADT-PALAST

Berlin feiert Mireille Mathieu mit Standing Ovations

Die Chanson-Ikone tritt im Friedrichstadt-Palast auf – und überzeugt mit zartem Tremolo und charismatischer Bühnenpräsenz.

Ulrike Borowczyk

Berlin. Trommelwirbel und stehende Ovationen, noch bevor etwas Nennenswertes auf der Bühne passiert. Doch dann erklingt sie, diese glasklare, weltberühmte Stimme mit dem zarten Tremolo und dem gerollten R, die so unverwechselbar ist: Mireille Mathieu singt « Il faut croire ». Der französische Star auf Stippvisite im Friedrichstadt-Palast. Der schwarze Pagenkopf sitzt so perfekt wie der rote Lippenstift. Und das selbstredend schwarze, knielange Kleid auch. Es ist eine Reminiszenz an ihr großes, künstlerisches Vorbild noch aus Kindertagen: Chanson-Ikone Edith Piaf trug auf der Bühne stets Schwarz.

Die charismatische Bühnenpräsenz der gerade mal 1,53 Meter großen Mathieu ist auch nach über fünf Jahrzehnten im Showbusiness ungebrochen. 1966 gab sie ihr erstes Deutschland-Konzert, übrigens im Friedrichstadt-Palast. Auch zu ihrem 50. Bühnenjubiläum machte sie 2015 hier Station. Nun ist sie zurück auf ihrer Welttournee 2018 und macht diesen Abend zu einem Triumph. Die Zuschauer liegen ihr zu Füßen. Nach jedem Lied schenken sie ihr Blumen. Ein Ordner steht bereit, der Blumen und Präsente flugs hinter die Bühne verfrachtet.

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Eine Diva mit Bodenhaftung

Die Mathieu bedankt sich bei jedem Einzelnen, lässt sich umarmen, auf die Wange küssen, herzt ihrerseits. Spontane Selfies inklusive. Ihr sympathischer Umgang mit den Fans ist später das Pausengespräch auf dem Damen-WC. « Sie ist so nett und freundlich », schwärmt Jeanne (52) selbst gebürtige Französin, aber schon seit über 20 Jahren in Charlottenburg zu Hause. Für sie ist Mireille Mathieu französisches Nationalheiligtum und Kult zugleich. « Sie auf der Bühne zu sehen, ist ein unglaubliches Geschenk. »

Wie man es von ihr kennt, parliert Mireille Mathieu in der jeweiligen Landessprache. Dass sich ihr Deutsch nicht nur auf das übliche « Dankeschön » beschränkt, beweist sie, als ein besonders galanter Herr sie umarmt: « Berlin ist heiß, oder?! », scherzt sie. Wer würde dem nicht zustimmen. Natürlich singt Mireille Mathieu auch viele ihrer deutschsprachigen Erfolge wie « Hinter den Kulissen von Paris » und « An einem Sonntag in Avignon ». Ebenso wie ihre Millionenseller « Akropolis Adieu » oder « La Paloma ade » aus den 70er-Jahren.

Die Interpretationen sind so fantastisch, dass einem sogar als Schlagerverächter das Herz aufgeht. Einzig die oft zu süßlich und glatt geratenen Arrangements der elfköpfigen Band wünscht man sich oft an diesem Abend ausgefeilter, luzider und mit mehr Kanten. Natürlich singt Mireille Mathieu aber auch Piaf. Dabei zeigt sie ihr ganzes Können. Ihre Version des Klassikers « L’hymne à l’amour » ist einfach ganz großes Kino. Gefühl pur. Man möchte die Wiederholungstaste drücken, wenn das in einem Livekonzert möglich wäre.

Von Schlager bis Chansons

Lange Zeit wurde Mireille Mathieu in Deutschland vor allem als Schlagerstar wahrgenommen. In ihrer Heimat gilt sie seit jeher als Inbegriff des Chansons, was ihr, in Anlehnung an Edith Piaf, auch den Spitznamen « Der Spatz von Avignon » bescherte. 1946 wurde sie in Avignon als älteste von insgesamt 14 Geschwistern in einfachen Verhältnissen geboren. Mit Disziplin und Leidenschaft sang sie sich nach ganz oben. International hat Mireille Mathieu den Rang eines Weltstars. 1986 war sie die erste westliche Künstlerin, die in China auftrat. Sie sang unter anderem mit Plácido Domingo, Charles Aznavour und Tom Jones. Sie nahm über 1200 Songs in elf Sprachen auf und ein Ende ihres Erfolgs ist nicht abzusehen. Auch nicht mit fast 72 Jahren.

Man sieht ihr das Alter kaum an. Nur das Gehen bereitet ihr leichte Pro­bleme. Aber die Strahlkraft ihrer Stimme ist ungebrochen. Nicht nur sprachlich steht Mireille Mathieu ein breites Spektrum zur Verfügung, sie wechselt auch problemlos zwischen den Genres. So wird es bei « Ce n’est rien » richtig rockig. Leise Töne hingegen schlägt sie bei ihrem Chanson « Un dernier mot d’amour » an. Zum Dahinschmelzen schön. Die Berliner danken ihr für das sensationelle Konzert mit lang anhaltendem Jubel.

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Source : Morgenpost.de

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